Zurück

Jana Schulz @ Eigen+Art

Moritz Scheper

Speckige, abgegriffene 1-Dollarnoten wandern durch große, sehnige Hände, werden gezählt und weitergegeben. Kleinste Gesten und Bewegungen setzen wiederholt Informationen ab, Geben, Nehmen, Ablehnen und Fordern. Vorsichtig involviert in diese Männerrunde bezeugt die Kamera die Transaktionen, den vertrauten Umgang, die eingespielten Abläufe. 

„If exchange is the criterion of generality, theft and gift are those of repetition.“

Kamera heißt bei Jana Schulz immer Kamerafrau, schließlich ermöglicht ihr (und damit einem weiblichen Blick) dieses Werkzeug Zutritt zu Kreisen, die ihr ansonsten verschlossen blieben oder deren Habitus sich durch ihre Anwesenheit komplett verändern würde: Gruppen junger Boxer, Straßentänzer, allesamt all-male Bruderschaften, in denen jedes Training immer auch die Einübung eines Männlichkeitsbildes bedeutet, das inzwischen vollkommen zurecht als toxisch gebrandmarkt ist. Dabei ist Schulz weit davon entfernt, anklagend Mechanismen zu dokumentieren, die wir eh schon alle kennen. Vielmehr schneidet sie all diese routinierten, ewig wiederholten Selbstverständlichkeiten und Selbstverständnis bildende Einheiten mit und stellt dabei mittels einer sehr vorsichtigen, fast intimen, insistierenden Kameraarbeit, die beständig zwischen Nähe und Distanz, extremer Konzentration und indifferenter Beiläufigkeit pendelt, einen offenen Zugang zu ihren Subjekten her. 

„Repetition as a conduct and as a point of view concerns non-exchangeable (…) singularities.“

Häufig im Dunkel der Nacht gefilmt, wie um visuelle Störfeuer auszuschließen, die von den Akteuren vor der Kamera ablenken könnten, entwickelt sie dabei einen Hypersensualismus, der jede Regung, jeden Lidschlag registriert. Denn Schulz’ Neugier gilt nicht den visuellen Tropen und eingeübten Posen von Männlichkeit, dieser kontinuierlichen Initiation. Sie möchte hinter das Testosteron schauen und die brüchigen Momente von Schwäche, Sensibilität, Nonkonformismus notieren. Diese in jedem Moment wohlwollende Offenlegung von leichten Unschärfen im maskulinen Selbstbild, welche bereits vorherige Arbeiten der Künstlerin ausmachte, tritt in ihrer aktuellen Filmarbeit „Being on Concrete“ besonders deutlich hervor: die Schönheit des verletzlichen Tänzers, der sich den Überschlag nicht zutraut, als Offenheit des Neophyten, bevor die Dogmen verinnerlicht worden sind. Abgerungen durch eine fast zärtliche Nähe, die aber auch zugelassen wurde. Vielleicht als eine Art Geschenk. 

„The heart is the amorous organ of repetition.“ 

Alle Zitate aus Deleuze Difference and Repetition.